Internistische Intensivmedizin

Bei der Behandlung unserer Patienten ist leider immer wieder eine intensiv-medizinische Therapie (kreislaufunterstützende Verfahren, Beatmung, Nierenersatzverfahren usw.) notwendig. Die Abteilung für Innere Medizin behandelt auf unserer interdisziplinären Intensivstation ca. 500 Patienten pro Jahr. Zusätzlich verfügen wir über 6 Chest-Pain-Monitorplätze zur engmaschigen, videogestützen Überwachung und Betreuung der Patienten mit zum Beispiel drohendem Herzinfarkt an 24 Stunden des Tages an 7 Tagen der Woche.

Der Ausfall einer oder mehrerer Organfunktionen kann für den Betroffenen einen lebensbedrohlichen Zustand bedeuten, so dass eine besondere Überwachung und Therapie auf einer Intensivstation erforderlich wird. Speziell geschulte Ärzte und Pflegekräfte wenden dabei komplexe medikamentöse und technisch-apparative Hilfsmittel an („Apparatemedizin“). Ziel der Behandlung ist die Wiederherstellung einer gestörten Organfunktion und die Stabilisierung des Patienten. Stets sind wir dabei bemüht, den Aufenthalt auf der Intensivstation für Sie und Ihre Angehörigen so wenig belastend und so kurz wie möglich zu gestalten. Häufig kann eine ausgefallene Organfunktion oder ein kritischer Patientenzustand bereits schon mit relativ wenig invasiven Verfahren in kurzer Zeit behandelt werden. Oftmals ist es aber auch notwendig, ausgefallene Organfunktionen längerfristig medikamentös oder maschinell zu ersetzen. Um die Belastung für den Patienten dabei so gering wie möglich zu halten und eine optimale Heilung zu gewährleisten, kann es in diesen Fällen erforderlich sein, eine dauerhafte Narkose („künstliches Koma“) mit maschinell unterstützter Beatmung durchzuführen.

Auf unserer Intensivstation bieten wir das gesamte Spektrum der gängigen Verfahren zur Therapie und Überwachung schwerkranker internistischer Patienten. Neben den speziellen intensivmedizinischen Behandlungsmethoden erfolgt die Therapie der zugrunde liegenden Erkrankung (z.B. Schockzustand bei einem Herzinfarkt) immer in enger Zusammenarbeit mit den Kollegen der jeweiligen Spezialabteilungen (z.B. mit den Kardiologen).

Bei allen technischen Möglichkeiten ist für uns stets der Wille des Patienten Ziel und Mittelpunkt unseres Handelns. Daher werden wir jegliche intensivmedizinische Maßnahme vor dem Hintergrund des zu erwartenden Heilerfolges, der langfristigen Prognose und den mit der Behandlung einhergehenden Belastungen mit Ihnen besprechen und Sie nach dem aktuellsten Stand des Wissens und nach bestem Gewissen beraten. Sollten Sie nicht mehr in der Lage sein Ihren Willen zu  formulieren, werden wir unser Handeln mit von Ihnen gegebenenfalls bestimmten Vorsorgebevollmächtigten koordinieren und / oder einen eventuell schriftlich formulierten Patientenwillen zum Zentrum unserer therapeutischen Bemühungen machen. Der enge Dialog mit den Betroffenen und ggf. deren Angehörigen in Bezug auf die erforderliche Diagnostik und Therapie ist in unserem Hause ohnehin die tragende Säule bei der Behandlung der uns anvertrauten Patienten. Dies kommt im Falle der intensivmedizinischen Versorgung mit den entsprechend schweren Krankheitsbildern und teilweise auch weit reichenden erforderlichen Maßnahmen zu besonderer Geltung und stellt somit die medizinische und ethische Richtschnur für unser Handeln dar.

Leistungskatalog

    Analgosedierung und Narkose
  • Vollständige Sedierung in den verschiedenen Narkosetiefen mittels intravenös verabreichter Medikamente über periphervenösen (VIGO) oder zentralvenösen Zugang (ZVK).
  • Sedierung mittels kontinuierlicher Gasnarkose über die Beatmungs-maschine („ANACONDA-System“) bei speziellen Lungenerkrankungen oder Schockzuständen.
  • Angepasste Analgosedierung bei der Entwöhnung von der Beatmungsmaschine, bei starken Schmerzen oder starken Unruhezu-ständen mit und ohne die verschiedenen Beatmungsmöglichkeiten.
    Nicht-invasive Beatmung
  • Schonendes Beatmungsverfahren über eine Gesichts- oder Nasenmaske mit dem „Helia-System“ zur kurzfristigen Überbrückung einer gestörten Lungenfunktion oder Atemmechanik (z.B. bei ausgeprägter Lungenentzündung, schwerem Lungenödem oder akut exacerbierter COPD). Mit dieser modernen Methode kann sehr häufig eine invasive, belastende Beatmungsform sowie eine Narkose vermieden werden. Zudem wird die Gefahr einer Lungenetzündung bedingt durch eine invasive Beatmung (Beatmungspneumonie) vermieden.
  • Phaseweise Unterstützung der Lungefunktion nach Beendigung einer längeren invasiven Beatmung. Letztere kann dadurch meist verkürzt und der Patient rascher wieder mobilisiert werden. Die Gefahr von Beatmungspneumonien wird ebenso deutlich gemindert.
  • Anpassung einer langfristigen nicht-invasiven Heimbeatmung bei permanent gestörter Atemmechanik oder Lungefunktion.
  • Überwachung der Lungenleistung durch Messung des Gehaltes an gelösten Blutgasen und der Sauerstoffbeladung der roten Blutkörperchen durch jederzeit verfügbare Blutgasanalyse aus kappilärem oder arterillem Blut (BGA).
    Invasive Beatmung
  • Invasive Beatmung über einen durch den Rachen eingeführten Beatmungsschlauch (Tubus) mit einer Beatmungsmaschine (Evita 4, Evita XL) in tiefer oder flacher Narkose zur längerfristigen Überbrückung einer gestörten oder ausgefallenen Atmung (z.B. bei schweren Schockzuständen oder nach einer Herz-Lungen-Wiederbelebung).
  • Spezialisierte und differenzierte Beatmungsformen (invertierte BIPAP-Beatmung, APRV-Beatmung, Beatmung in Bauchlagerung) bei ver-schiedenen schwerwiegenden Lungenerkrankungen (Schocklunge (ARDS), beidseitige Lungenentzündung).
  • Entwöhnung („Weaning“) von der Beatmungsmaschine über einen Luftröhrenschnitt mittels einer Kunststoffkanüle (Trachealkanüle). Dies ermöglicht eine ggf. notwendige phasenweise oder dauerhafte invasive Beatmung am wachen Patienten.
  • Anpassung einer invasiven Beatmung über eine Trachealkanüle an ein Heimbeatmungsgerät bei dauerhaft notwendiger invasiv-maschineller Beatmung.
  • Überwachung der Lungenleistung durch Messung des Gehaltes an gelösten Blutgasen und der Sauerstoffbeladung der roten Blutkörperchen durch jederzeit verfügbare Blutgasanalyse aus  arterillem Blut (BGA).
  • Therapeutische und Diagnostische Lungenspiegelung (Bronchoksopie) bei beatmeten Patienten.
    Herz-Kreislaufmanagement

 

  • Einfache Monitorüberwachung mit EKG-Ableitung, nicht-invasiver Messung der Sauerstoffsättigung (Pulsoxymeter) und nicht-invasiver automatisierter Blutdruckmessung über eine Manschette
  • Erweiterte Monitorüberwachung: Messung des Zentralen Venendrucks über einen in die rechte Herzvorkammer eingebrachten Katheter (ZVK) und kontinuierliche „blutige“ Blutdruckmessung über einen in die Pulschlagader des Handgelenkes eingebrachten Katheter.
  • Ausgedehnte Monitorüberwachung: Zusätzlich Erhebung verschiedener Messgrößen im Lungenkreislauf über einen bis in die Lungenarterie fortgeführten Katheter (Pulmonaliskatheter) wie z.B. den Lungengefäß-widerstand, und die indirekte Messung des Drucks der linken Herzvorkammer („Wedge-Druck-Messung“). Erhebung verschiedener Messgrößen im Körperkreislauf mittels „PICCO-System“ wie z.B. arterieller Gesamtgefäßwiderstand (SVRI), Herzzeitvolumen (CI), Bestimmung der Vorlast des Herzens (GEDI) etc.
  • Steuerung der Herzkreislauffunktionen mittels verschiedener hochspezifischer Medikamente (Adrenalin, Noradrenalin, Atropin, Milrinon etc.) im Sinne eines differenzierten Medikamentenregimes.
  • Gezielte Steuerung des Flüssigkeitshaushaltes im Sinne eines differenzierten Volumenregimes.
  • Anlage vorübergehender Herzschrittmachersysteme bei krankhaft verlangsamter Herzfrequenz.
  • Anlage permanenter Herzschrittmachersysteme im Rahmen der Intensivtherapie.
    Überwachung des Elektrolyt-, Säure-Basen- u. Flüssigkeitshaushaltes
  • Stündliche Einfuhr- und Ausfuhrbilanz.
  • Jederzeit verfügbare Bestimmung des Blut-pH-Wertes, sowie der relevanten Säurepuffersysteme des Blutes (BGA).
  • ZVD-, Picco-, und Bilanz- gesteuertes Volumenregime.
  • Medikamentöser Ausgleich jeglicher Entgleisungen des Säure-Basen- und Elektrolythaushaltes.
  • Nierenersatzverfahren bei ausgefallener Nierenfunktion mittels kontinuierlicher oder phasenweiser Blutwäsche über spezielle Kathetersystme (Sheldon-, Demerskatheter).
  • Künstliche Ernährung über einen ZVK mittels entsprechender Nährlösungen (parenterale Ernährung).
  • Künstliche Ernährung über eine durch die Nase oder ggf. durch die Bauchdecke eingebrachte Sonde (enterale Ernährung).
    Weitere Informationen zur internistischen Intensivmedizin

Auf der Intensivstation werden Patienten von speziell geschulten Ärzten und Pflegekräften behandelt, bei denen durch den Ausfall eines oder mehrer Organsysteme eine akute Lebensgefährdung zu befürchten oder bereits eingetroffen ist. Grundsätzlich werden alle Intensivpatienten an ein „Monitorsystem“ angeschlossen, das kontinuierlich die Sauerstoffsättigung des Blutes, den Herz-rhythmus und den Blutdruck mit nicht-invasiven Methoden erfasst. Meistens wird auch die Flüssigkeitszufuhr und –ausscheidung genau bilanziert. Letzteres macht die Einlage eines Ableitkatheters in die Harnblase erforderlich. Häufig reichen diese Maßnahmen sowie die mengenmäßig exakte Verabreichung spezieller Medikamente über automatische Spritzenpumpen und elektrische Infusionssysteme neben einer bedarfsgerechten Behandlung mit Medikamenten in Tablettenform bereits aus, um eine gestörte oder gar ausgefallene Organfunktion wieder herzustellen und den Gesamtzustand des Patienten zu stabilisieren.

Bei schwerer erkrankten Patienten, z.B. bei Ausfall mehrerer Organfunktionen gleichzeitig, werden weitere technische und apparative Maßnahmen notwendig. Vielfach ist dann zusätzlich die Einlage eines dünnen Katheters über die Halsvene in die rechte Vorkammer des Herzens (ZVK), oder gar bis hinein in die Lungenarterien (Pulmonaliskatheter) notwendig, um den Flüssigkeitshaushalt (ZVD-Messung) besser erfassen zu können und bestimmte Messungen innerhalb des Lungenkreislaufes zu ermöglichen. Zudem können über diesen Katheter größere Mengen an Medikamenten oder stärker wirksame Medikamente direkt in den Kreislauf verabreicht werden. In diesem Falle wird in der Regel auch der Blutdruck über einen kleinen Katheter, der in die Pulsader des Handgelenkes eingebracht wird, „online“ gemessen. Darüber hinaus müssen häufig über einen weiteren Katheter, der in die Beinschlagader eingebracht wird, weitere Messgrößen im Körperkreislauf (PICCO-System) erhoben werden, um die Verabreichung kreislaufwirksamer Medikamente und die Flüssigkeitsbilanzierung genauer steuern zu können. Fallen Organfunktionen vollständig aus, müssen diese übergangsweise durch entsprechende Apparate ersetzt werden. So kann eine ausgefallene Nierenfunktion durch eine vorübergehende künstliche Blutwäsche (Dialyse) über einen vorübergehend angelegten Spezialkatheter (Sheldon-Katheter) oder längerfristigen Dialysekatheter (Demers-Katheter) ersetzt werden.

Eine wie auch immer geartete Störung der Atmung wird durch die verschiedenen Formen der nicht-invasiven (Helia-System) und invasiven künstlichen Beatmung ersetzt. Hierbei ist häufig auch eine dauerhafte Narkose („künstliches Koma“) erforderlich. Diese Narkose führen wir in bestimmten Fällen mit hochmodernen Methoden, z.B. einer kontinuierlichen Gasverabreichung über die Beatmungs-maschine (ANACONDA-System) durch. Eine maschinelle Beatmung und dauerhafte Narkose kann ebenso bei schweren Schockzuständen (z.B. bei schwerem Herz-infarkt oder Blutvergiftung aufgrund von Infektionen) erforderlich werden. Wenn immer es möglich ist, werden wir die am wenigsten belastende Beatmungsform für den Patienten anstreben und möglichst einer nicht-invasiven Beatmung z.B. über eine Mund- oder Nasenmaske den Vorzug geben.

Patienten deren Herzkreislaufsystem und Atmungsapparat medikamentös oder maschinell unterstützt werden muss, bedürfen regelhaft auch einer genauen Steuerung des Säure-Basen-, Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushaltes. Unsere moderne Ausstattung gewährleistet diesbezüglich eine optimale Therapieführung. Zusammengefasst ist das Ziel bei der Behandlung auf der Intensivstation eine möglichst wenig belastende und schnelle Wiederherstellung des Patienten, so dass er möglichst rasch wieder ohne apparative Unterstützung auf der Noramalstation weiterbehandelt werden kann. Bei sehr schweren Krankheitszuständen ermöglicht unsere moderne apparativ-technische Ausstattung und unser geschultes Personal aber auch eine längerfristige Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen, bis das die speziellen Behandlungsverfahren durch die Kollegen der verschiedenen Fachabteilungen die zugrunde liegenden Funktionsstörungen behoben haben.

Neben einer optimalen apparativ-technischen sowie medikamentösen Behandlung ist für uns insbesondere die menschliche Nähe zu unseren Patienten ein wesentliches Anliegen, die somit unser tägliches Handeln bestimmt. Denn bei allen technischen Möglichkeiten, ist diese eine der wesentlichsten Voraussetzungen, um eine optimale Genesung der Schwerkranken zu ermöglichen. Selbstverständlich bedeutet dies, dass nicht immer alles das, was an technischen Möglichkeiten machbar ist, unsere Bemühungen alleine bestimmt, sondern vordringlich der Wille des Patienten, vor dem Hintergrund, der durch die Behandlung zu erwartenden Belastungen und der zu erwartenden Heilerfolge uns die menschliche und ethische Richtschnur in der Anwendung der verschiedenen möglichen Behanglungsformen weist. Ihre Vertrauenspersonen werden, wenn Sie es wünschen, selbstverständlich in diesen Entscheidungsprozeß einbezogen.

Vor diesem Hintergrund ist uns eine enge Zusammenarbeit mit Ihnen als Patient und den von Ihnen bestimmten Vertrauenspersonen (meist nahestehende Angehörige) ein besonders wichtiges Anliegen. Stets werden wir Ihnen und Ihren Angehörigen das gesamte Spektrum des medizinisch Machbaren und auch dessen Grenzen aufzeigen und eine optimale Behandlung entsprechend Ihrer persönlicher Wünsche und Erwartungen leisten.

Aufgrund der besonderen Situation auf einer Intensivstation müssen wir dennoch auf bestimmte Regeln bzw. Rücksichtnahme auf die Belange anderer Patienten hinweisen. So kann es sein, dass Sie Ihren Patientenbesuch wegen der Behandlung eines Nachbarpatienten unterbrechen müssen oder auch einmal auf ein drängendes Patienten- bzw. Angehörigengespräch warten müssen, so es die Akutbehandlung eines anderen Patienten erfordert. In der Regel sind aber tägliche Besprechungen über die weiteren geplanten diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen möglich. Wir möchten Sie bitten, sich diesbezüglich bei unserem Pflegepersonal über die gängigen Besuchs- und Sprechzeiten zu informieren.

Bei allen Regeln, die den geordneten Ablauf auf einer Intensivstation erst ermöglichen, wird in besonderen Grenzsituationen jedoch ein Besuch Ihrer Nächsten und ein Gespräch mit den behandelnden Ärzten jederzeit ermöglicht, so dass in diesen Fällen auch die ansonsten geregelten Besuchszeiten nach Absprache mit dem Pflegepersonal entfallen, damit Sie in besonders schweren Stunden Ihren Nächsten zur Seite stehen können.